Was ist Flexitarismus?

Flexitarier vs Vegetarier vs Veganer: Wer ist was?

2026-06-10 · 581 Wörter

„Bist du eigentlich Vegetarier?" – Eine Frage, die viele Menschen ratlos macht, die einfach nur seltener Fleisch essen. Die Antwort lautet meistens: „Nicht wirklich, aber so ungefähr." Dahinter steckt kein Identitätsproblem, sondern ein echtes Definitionsproblem. Die Begriffe Flexitarier, Vegetarier und Veganer werden im Alltag oft durcheinandergeworfen, teilweise absichtlich, teilweise aus Unwissenheit. Hier ist eine sachliche Einordnung.

Die drei Begriffe – was steckt wirklich dahinter?

Fangen wir mit dem an, was sich klar abgrenzen lässt:

  • Veganer verzichten auf alle tierischen Produkte: kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte, oft auch keinen Honig. Viele Veganer dehnen das auf Kleidung und Kosmetik aus – das geht über Ernährung hinaus und wird dann als Lebensweise verstanden.
  • Vegetarier essen kein Fleisch und keinen Fisch, aber in der Regel Eier und Milchprodukte. Das ist die sogenannte lakto-ovo-vegetarische Ernährung, die häufigste Variante. Daneben gibt es Pescetarier (mit Fisch, ohne Fleisch), die sich selbst manchmal als Vegetarier bezeichnen – streng genommen aber nicht sind.
  • Flexitarier essen grundsätzlich alles, aber deutlich weniger Fleisch als der Durchschnitt. Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Der Begriff wurde in den 2000er Jahren popularisiert und hat keine offizielle Definition. Manche essen nur einmal pro Woche Fleisch, andere nur an Wochenenden, wieder andere nur bei bestimmten Anlässen.

Eine kompakte Übersicht:

Ernährungsform Fleisch Fisch Eier & Milch Honig
Vegan meist ✗
Vegetarisch (lakto-ovo)
Pescetarisch
Flexitarisch selten selten–✓

Wo die Begriffe unscharf werden

Die Realität ist messiger als jede Tabelle. Jemand, der drei Wochen vegan lebt und dann auf einer Hochzeit Lachs isst, ist weder konsequent vegan noch klar flexitarisch. Der Begriff „plant-based" (pflanzenbasiert) macht es nicht einfacher: Er wird mal für vegane Ernährung verwendet, mal für eine Ernährung, die überwiegend aus Pflanzen besteht – also auch für Flexitarier. Auch „klimabewusst essen" ist keine Ernährungsform, sondern ein Ziel, das auf sehr unterschiedliche Weisen erreicht werden kann.

Laut der Studie von Poore & Nemecek (2018), erschienen im Fachjournal Science, verursacht die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch im globalen Durchschnitt etwa 60 kg CO₂-Äquivalente – gegenüber etwa 2,5 kg bei Hülsenfrüchten. Das zeigt: Wer Fleisch reduziert, hat einen messbaren Effekt, unabhängig davon, welches Label er trägt. Die EAT-Lancet-Kommission (2019) empfiehlt für eine „planetary health diet" etwa 14 g rotes Fleisch pro Tag – das entspricht ungefähr einem kleinen Steak pro Woche.

Warum es keine „richtige" Antwort gibt

Ob Flexitarismus, Vegetarismus oder Veganismus die „bessere" Ernährung ist, hängt davon ab, welches Ziel man verfolgt – und unter welchen Bedingungen man lebt. Die EPIC-Oxford-Studie und die Adventist-Health-Studien zeigen Zusammenhänge zwischen pflanzenbetonter Ernährung und niedrigerem Risiko für bestimmte Krankheiten. Aber: Das sind observationale Studien. Sie können keine Kausalität beweisen. Wer sich vegetarisch ernährt, unterscheidet sich oft auch in anderen Lebensbereichen – weniger Rauchen, mehr Bewegung – was die Ergebnisse verzerren kann.

Hinzu kommt: Nicht jeder hat dieselben Ausgangsbedingungen. Wer in einer ländlichen Region lebt, wenig Zeit hat und mit einem kleinen Budget wirtschaftet, kann nicht einfach dieselben Entscheidungen treffen wie jemand mit Zugang zu gut sortierten Biomärkten. Pragmatik vor Reinheit – das gilt auch für die Wahl der Ernährungsform.

Wenn du seltener Fleisch isst als früher, aber nicht willst oder kannst, ganz darauf zu verzichten: Du musst dich nicht Flexitarier nennen. Und du bist auch kein schlechter Mensch, wenn du ab und zu ein Steak isst. Wichtiger als das Label ist die Richtung – und die kannst du selbst bestimmen.

Weiter in Was ist Flexitarismus?